Gelenkschmerzen im Winter – Hilfe mit dem Wissen der Chinesischen Medizin

In einem Kurs der letzten Woche kam die Frage nach Gelenkschmerzen auf, die insbesondere bei bestimmten Witterungsverhältnissen auftreten und sich verschlimmern, zu anderen Zeiten aber wieder etwas ruhiger und weniger schmerzhaft sind. So tauchte die Frage nach Schmerzen insbesondere im Winter, wenn es kalt ist auf oder wenn sich eine Wetteränderung hin zu feuchtem Regenwetter ankündige. In der KCM sind solche Veränderungen bei Wetterumstellungen, in bestimmten Wetterzonen oder zu bestimmten Jahreszeiten nichts ungewöhnliches. Sie kennen sie und wissen auch, was diese für den Körper bedeuten können und wie man diese Störungen dann behandelt.

Da wir nun Winter haben, auch wenn die momentanen Temperaturen noch nicht so winterlich sind, so läuft doch im Hintergrund das Winterprogramm der Natur mit bestimmten Abläufen und Funktionen, die für die Natur von äußerst großer Bedeutung sind. Und der Mensch, als Teil der Natur, ist darin komplett eingebunden. Im Winter zieht sich die Wachstumsenergie der Natur zurück (kahle Bäume, Winterschlaf etc.) um im Frühling erholt und gestärkt wieder aufzublühen. Für den Menschen gilt dasselbe Prinzip. Wir sollten uns im Winter zurückziehen, wenig unterwegs sein, uns viel Ruhe gönnen, viel schlafen, viele Meditation und Qigong praktizieren, kein Stress und Streit, wenig Orgasmen und sowieso wenig körperliche und geistige Höchstleistungen, uns warm anziehen und gut essen. Dies sollten wir bis etwa Ende Januar/Anfang Februar so praktizieren. So gut es eben geht. Mit diesen Verhaltensweisen unterstützen wir unseren Körper in seinem Bestreben, möglichst gut zu regenerieren in der Winterzeit. Dies ganz allgemein in Kürze.

Unsere Gelenke leben ebenfalls, auch wenn sie scheinbar feste Materie, Knochen sind. Unsere Gelenke benötigen einen ständigen Energiestrom (Qi) um flexibel und belastbar zu bleiben. Kälte (chin. Han) verlangsamt oder blockiert diesen Fluss von Qi und Blut und sorgt für Blockaden, die dann Schmerzen hervorrufen können. Diese eigentlich innere Kälte wird durch äußere Kälte, eben die jeweilige Jahreszeit, entsprechend verstärkt. Deshalb tauchen viele Gelenkschmerzen oder Beweglichkeits- und Flexibilitätsstörungen in den Gelenken bei kaltem Wetter verstärkt auf oder auch in Übergangsphasen. Dasselbe Prinzip gilt auch für Feuchtigkeit oder Wind, die im Inneren des Körpers entstehen können und nach denselben Prinzipien agieren wie ihre äußeren Namensvettern. Ein Windschmerz ist beispielsweise ein wandernder Schmerz, eben wie der Wind, der ja nie nur an einer Stelle ist; während ein Kälteschmerz nur einer Stelle zu finden ist und eher tiefer gelegen, dumpfer und später aber auch extremer sein kann. Als kurze Anmerkung sei erwähnt, dass sich alle Formen auch mischen können. Alle arthrotischen Gelenkprobleme gehen in der Regel auf Kältestörungen  zurück, während alle arthritischen Gelenkprobleme eher Hitze, also Entzündungssymptome hervorbringen. Dennoch liegt zunächst meistens eine Kältestörung vor, die sich dann später in Hitzegeschehen wandelt. Die Kälte reibt sich mit dem Qifluss im Inneren des Gelenkes und dadurch entsteht Reibung, die irgendwann eine Hitzereizung (Entzündung) hervorruft.

Die KCM behandelt solche Gelenkbeschwerden oder -erkrankungen mit vielerlei Methoden wie beispielsweise mit Qi-bewegenden Kräutern, die auch wärmen und Kälte ausleiten, mit Akupunktur um die Stagnation im Gelenk aufzulösen und Qi und Blut wieder in Fluss zu bringen oder entsprechenden Massagen. Dazu gilt es, die Ernährung anzupassen an die jeweilige Situation und beispielsweise keine kalten Getränke oder Nahrungsmittel zu sich zu nehmen. Bei Kälteproblemen gilt es viel zu kochen und wenig rohe oder kühlend, kalte Lebensmittel zu verzehren. Zudem werden gern Selbstmassagen und entsprechende Atem- und Qigongübungen empfohlen. Im Winter sind es eher ruhige Übungen aus dem sogenannten „Stillen Qigong“ (Jing Gong) mit wenig Bewegung, im Frühling eher bewegte Qigongübungen (Dong Gong) mit sanftem Anregen des Qiflusses in den Gelenken.

Aus diesem Grund biete ich immer im Winter Retreats für den Rückzug an, in denen das Herz zur Ruhe kommen kann und die Nieren, welche die Gelenke nähren, gestärkt werden können. In jedem Jahr gibt es zu Beginn des Jahres, wie traditionell praktiziert, ein 5-Tage-Retreat und anschließend ein intensives Wochenendseminar mit Wirbelsäulen- und Gelenkübungen. In 2016 auch noch zum Abschluss dieser 8 Tage eine Schutzübung, um gestärkt und gegen äußere Reize, auch emotional-psychische, gewappnet und geschützt zu sein. Im Februar und März finden dann zumeist Kurse mit mehr bewegten Übungen statt. Dies dient der langfristigen Stützung des Körpers und seinen Funktionen und berücksichtigt neben Gelenken und Wirbelsäule auch alle Organe und deren weitreichende Funktionen. Alle Termine sind im Kalender unter der Rubrik Veranstaltungen zu finden.

Eine praktische Massage zum Abschluss:

Eine Massage der Nierengegend sollte sowieso zum täglichen Selbsthilfeprogramm gehören. Reiben Sie dazu die Hände kräftig aneinander bis diese richtig heiss sind. Dann massieren Sie mit den Handflächen die Nieren kräftig und so lange, bis sich auch die Nierengegend warm oder heiss anfühlt. Legen Sie beiden Hände dann kurz auf den Nieren ab und stellen Sie sich vor, dass die ganze Hitze nun von den Händen in die Nieren hineinströmt. Diese Massage sollten Sie in den Wintermonaten 2 x am Tag für jeweils etwa 3 Minuten praktizieren (weitere Tipps, Übungen und Massagen finden Sie in meinem neuen Selbsthilfebuch, welches im März bei Lotus-Press erscheinen wird).

Das Foto zeigt Dao-Meisterin Liu beim Wirbelsäulen-Qigong


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