Oft vergessen im Winter – Rücken und Knochen stärken Teil 2

Heute ein weiterer kurzer Blogartikel zu einem Winteraspekt, der selbst bei eingeweihten Qigong-, Taiji- und TCM-lern oft vergessen wird. Der tiefste Winter – unabhängig wie kalt es draußen auch sein mag – in den Monaten Dezember und Januar, dient dem Rückzug der Seele zu sich und dem Universum, der Energie ins Innere zu den Nieren um dort aufgeladen zu werden und dient dem Rückzug tief in die Knochen, die ja mit der Niere und dem Winter in Verbindung gebracht werden. Jetzt ist die Zeit für Retreats oder zumindest tägliche Übungen, die das Qi ins Innere zurückholen um es dort in den Organen und den Knochen aufzuladen. Gleichzeitig werden die Organe und Knochen durch diesen Prozess ebenfalls erneuert.

Effektive Übungen sind beispielsweise Atemübungen, welche das Bauchatmen oder die Umgekehrte Atmung betonen. Oder natürlich auch das sogenannte „Knochenatmen“, welches ich gerne in dieser Jahreszeit praktiziere, um Knochen und Jing zu stärken und zu erfrischen. Passend wäre auch die Praxis des „Kleinen Himmlischen Kreislaufs“. Diese und andere Übungen sind Inhalt eines Winterretreats. Die Knochen als tiefster Sitz des Immunsystems müssen im Winter genährt, gefördert und gestärkt werden. Der Rückzug ins Innere, der im Winter so propagiert wird in der Chinesischen Medizin, beinhaltet unbedingt auch die Arbeit mit den Knochen. Neben einigen Aspekten des Immunsystem findet dort auch ein Teil der Blutbildung statt und über die Knochen werden  Nieren und damit auch das Gehirn gestärkt. Somit ist gerade die Winterzeit eine hervorragende Zeit zur Vorsorge von Knocherkrankungen einschließlich Beschwerden oder Erkrankungen der Wirbelsäule, aber eben auch des Gehirns. Über das Organsystem der Niere erfolgt eine Stärkung der Wirbelsäule und damit auch eine direkte Einwirkung auf das Gehirn. Gerade Menschen über 40 sollten im Winter regelmäßig ihre Knochen trainieren und so Gehirnproblemen wie Gedächtnisverlust, Demenz oder Alzheimer vorzubeugen.

Deshalb sind jetzt neben den schon genannten Atemübungen auch sanfte Bewegungen der Wirbelsäule, besser gesagt, Bewegungen in den dort verlaufenden Wundergefäße (Zhong- und Dumai) ausgesprochen hilfreich und äußerst wirkungsvoll. Anstrengende Belastungen der Beine, die, richtig ausgeführt, ebenfalls die Knochen und die Niere stärken, sind weiterhin möglich, sollten aber von der Dauer reduziert werden. Es sollte keine zu große Verausgabung im Winter stattfinden. Die Niere speichert im Winter und verliert ungern in dieser Zeit. Eine Mischung dieser Übungen wie beispielsweise tagsüber sanfte Wirbelsäulenbewegungen mit ein klein wenig kraftvollen Übungen gemischt und abends dann sanfte, aber sehr tief innen wirkende Atemübungen sind ideale Begleiter für die Winterzeit. Zur Abrundung eine Massage der Nieren, der Füße und ein heißes Fußbad ergänzen und erhöhen die Effektivität enorm. Im Geiste sollten wir in dieser Zeit ruhig bleiben und es sollte uns möglichst nichts „an die Nieren gehen“ oder uns wütend werden lassen. Der Ausdruck des Nierenyang findet sich in der Gallenblase und die kann eben schnell mal überlaufen, wie ein altes Sprichwort zu erzählen weiß. Also auch Vorsicht mit zu heftigen Emotionen. Sie stören den Speicherungs- und Regenerationsprozess des Körpers im Winters erheblich.

Insbesondere Menschen mit schon geschädigter Nierenenergie, (z.B. Knochen-, Unterleib-, Gehirn- oder Ohrenproblemen, um nur einige wenige Beispiele zu nennen), sollten sich ein gutes Retreat- oder Tagesprogramm für den Winter zurechtlegen. Zudem muss darauf geachtet werden, dass die Kälte draußen bleibt. Warme Kleidung, nicht frieren, nicht zu lange schwimmen, wenig Sauna und gutes, wärmend gekochtes Essen zu sich nehmen. Der Körper und die Seele werden es danken, das verspreche ich Ihnen. Deshalb sind die Winter- und Sommerzeit die zwei wichtigsten Zeiten bei den Daoisten, um ins Retreat zugehen. Man erreicht in dieser Zeit am schnellsten große Fortschritte. Und Knochen- und Wirbelsäulen-Übungen gehören in der Winterzeit immer mit zum Programm.


2 Gedanken zu “Oft vergessen im Winter – Rücken und Knochen stärken Teil 2

  1. Elisabeth Scholze-Mader Antworten

    ………die Ratschläge sind empfehlenswert! Zusätzlich sollte man, der Gallenblase wegen, viel Ingwertee trinken, zumal er wärmende Eigenschaften hat, wie auch Zimt, den man dem Fußbad begeben sollte. Wer ab und zu noch eine Saturnklangschale anschlägt, ist, in jeder Hinsicht, bestens gerüstet für den Winter…………

    1. Joachim Stuhlmacher Antworten

      Danke für deine Ergänzungen. Ingwertee jedoch nicht vor dem Frühstück oder auf nüchternem Magen, da er zu heiß ist und die Magensäfte angreifen kann. Zimt ist das Kraut für die Füße, weil seine Wirkkraft direkt in die Nieren geht, die ja mit den Füßen in enger Verbindung stehen (Akupunkturpunkt Yongquan-Ni 1 – Sprudelnde Quelle). Ab am Wichtigsten im Winter ist die Pflege des Rückzugs, der Stille und der emotionalen Ruhe. Zudem sollten wir ohne Ängste sein. Dazu mehr im nächsten Blogbeitrag.

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