Spinning effektiver als Radeln im Freien – Sicher nicht!!

Heute lese ich beim Web-Forum T-Online eine Überschrift in der es heißt, „Spinning effektiver als Radeln im Freien“. Spinning ist der Name für eine Trainingsmethode, bei der im Fitnessstudio auf einem Standfahrrad gefahren wird, auch Indoorcycling genannt. Als ich mir den Bericht durchlese springen mir, wie so oft in unserer inzwischen „spinnerten“ Welt, direkt Dinge ins Auge, wie einseitig wir die Welt inzwischen betrachten, wie wenig Spielraum es in dieser Welt für „Alternativen“ gibt, wie unintelligent und absurd unser Lifestyle inzwischen geworden ist und über wie wenig Lebens-Weisheit, und damit andere Zugänge zu unserer Umwelt, wir als menschliche Rasse noch verfügen.

Abgesehen davon, dass Worte immer auch Wahres beinhalten (spinning ;-)), fällt einem beim Lesen des Berichtes sofort auf, dass wieder nur auf einer Ebene geschaut wird: auf der materiell-körperlichen Ebene! Wie heißt es im Shennong Bencao (dem ältesten Kräuterbuch der Chinesischen Medizin) so schön:“…Der kleine Arzt (der Arzt mit weniger guten heilerischen Fähigkeiten) behandelt ausschließlich körperlich-materielle Aspekte.“ So ist es. Warum?? Weil es relativ einfach ist die Dinge zu erkennen und zu behandeln, die bereits messbar, greifbar, fühlbar  vorhanden sind. Man braucht sich und seine Fähigkeiten nicht wirklich kultivieren. Man muss sich nicht in etwas unsichereres Terrain vorwagen. Man bleibt bei den „offensichtlichen“ Fakten und damit auf der sicheren Seite.

Chinesische Medizin verfolgt als Grundidee die Vorsorge, die Vorausschau. Sie befähigt den Arzt dazu, die Dinge zu erkennen, lange bevor sie messbar, greifbar und sichtbar sind (jedenfalls für unser modernes wissenschaftliches Verständnis) und damit bereits großen Schaden anrichten. Sie beschäftigt sich mit den nicht so offensichtlichen Fakten, den Dingen die im Hintergrund ablaufen und die Wurzel des Übels sind. Sie vernachlässigt die Zweige und Blätter (chin. biao) nicht, aber sie sucht darüber weit hinaus gehend auch nach der Ursache (Wurzel – chin. ben) der Erkrankung, weil sonst keine Heilung möglich ist und die Krankheit immer wieder kehren wird. Der Mensch kann nicht getrennt werden! Die Welt kann nicht getrennt werden. Körper, Atem, Energie, Geist und Seele gehören immer zusammen. Das ist die Essenz der Chinesischen Medizin und spannenderweise ja auch die Erfahrung eines jeden Menschen im Alltag.

In dem Bericht wird ein Sportwissenschaftler zitiert, der sagt, dass 1 Stunde „Spinning“ denselben Effekt hat wie 2 Stunden radfahren in der Natur. Abgesehen davon, dass in den dort genannten“Effekten“ natürlich nicht untersucht wurde, ob es einen Unterschied macht, ob ich in einem Haus, also einem sehr begrenzten Raum radfahre oder draußen in der Weite des Raumes, womöglich sogar in der Natur, im Wald.

Aber es wird natürlich auch nicht hinterfragt, ob es denn sinnvoll, denselben Effekt in kürzerer Zeit zu erzielen. Fast alle Menschen, viele Arbeitnehmer aber auch Schüler, Selbständige oder Angestellte spüren inzwischen genau den Wahnsinn in dieser Methode. In kürzerer Zeit dasselbe erreichen muss nicht zwingend gesünder sein. Für den Körper ist es das ganz sicher nicht. Je höher die Ausschläge einer Tätigkeit sind, umso tiefer ist der anschließender Fall und genau das wird in der Chinesischen Medizin sehr kritisch gesehen. Je entspannter die Leistungskurve zwischen Yin und Yang ist, umso gesünder ist es auf Dauer. Mag es im Leistungssport noch nachvollziehbar sein (dennoch genauso gefährlich!), so macht es für Jedermann und jede Frau absolut keinen Sinn.

Und dann wird, wissenschaftlich unvollständig und einseitig wie so oft, natürlich nicht unterschieden, wer darf oder braucht gar ein wenig auspowern und wer darf oder sollte sich auf keinen Fall regelmäßig auspowern. Die Konstitution des Einzelnen ist entscheidend bei einer Ausdauersportart wie dem Spinning. Menschen mit einer Leere der Säfte (Jinye) oder einer Schwäche des Blutes (Xue) dürfen gerade solche Dinge nicht tun. Auch Menschen mit einem Hang zu Innerer Kälte müssen da sehr vorsichtig sein. Allein das starke Schwitzen, wie es in dem Artikel auch beschrieben wird, reicht in solchen Fällen aus, um einen entsprechenden Mangelzustand des Körpers zu erzeugen oder ihn zu vergrößern, bis er krankhaft wird und deutliche Symptome erzeugt. Diese Symptome könnten beispielsweise sein Trockenheit der Haut oder Trockenheit in bestimmten Arealen des Körpers wie der Scheide. Wandernde Schmerzen in den Gelenken, Gedächtnisschwäche, Entzündungen, unflexible Sehnen, fehlender Humor, Engstirnigkeit und viele Dinge mehr.

Und nicht zuletzt ist auch die Jahreszeit entscheidend. Dieser Artikel erscheint im Winter und spricht explizit darüber, das wir gerade in der kalten Jahreszeit, wo es draußen ungemütlich ist, sehr gut drinnen radfahren und eben dieses Training absolvieren können. genau an diesem Punkt offenbart sich wieder einmal die fehlende Weisheit und das fehlende Verständnis der modernen Medizinwissenschaft über Zusammenhänge zwischen uns und der uns umgebenden Natur. Der Zyklus der Jahreszeiten beispielsweise wird überhaupt nicht berücksichtigt. Nein, nicht nur nicht berücksichtigt, sondern sträflich vernachlässigt. In der Winterzeit müssen wir besonders vorsichtig mit unseren Energien haushalten. Große Anstrengungen, gerade regelmäßige, sind zu vermeiden, um den Energiehaushalt nicht zu sehr zu schwächen und zu verletzen. Gerade jetzt gilt es , sanfte Übungsmethoden zu praktizieren und dem Körper die Chance der Regeneration zu ermöglichen statt ihn mit dem regelmäßigen Auspowern 5-fach zu schädigen. Es ist kein Problem, dass die Ärzte und Therapeuten nicht alles wissen, doch es ist äußerst schade, dass die Schulmedizin weiterhin nicht dazulernen will. Dies ist natürlich ein wirtschaftliches Problem.

Für uns gilt auf jeden Fall in dieser Zeit das Vorherrschen von Ruhe, Stille, viel Schlaf, Gemütlichkeit, warmes Essen und wärmende Getränke und sanfte Bewegungen und viel Meditation. Wir sollten dem vertrauen, was seit mehr als 5000 Jahren seine Gültigkeit nicht verloren hat.


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