Meckern und Beschweren – Schlechte Angewohnheit des modernen Menschen??

Inzwischen höre ich es mehrmals täglich von allen möglichen Menschen: Ich muss mich da mal beschweren, oder Ich beschwere mich oder sie sagen mir oder anderen: Du musst dich beschweren. In unserer Wohlstandsgesellschaft greift eine Marotte um sich, die aus Sicht der Alten Chinesen eine weitreichende negative Wirkung auf uns hat. Wir beschweren uns – schauen Sie sich diese Aussage mehrfach und ruhig an. Wir machen uns das Leben schwer!!! Nichts von einer lebendigen Leichtigkeit, sondern von noch mehr Schwere!! Diese Unzufriedenheit macht uns selber krank.

Womöglich denken wir noch, dass wir es dem oder der ja ordentlich gezeigt hätten. Oder dass das dringend nötig war. Doch wir übersehen dabei, dass es zu allererst uns selbst betrifft. Wir laden uns Schwere auf. Wir werden langsamer, belasten uns mehr und vielleicht werden wir sogar irgendwann schwermütig oder gar depressiv. Eine Gesellschaft wie die unsere, sooo reich und sooo verwöhnt, dass es den meisten von uns an nichts mangelt, muss sich dennoch ständig beschweren. Selbst wenn Dinge wundervoll gelaufen sind, so waren sie ja seltenst ganz perfekt. „Ja, die Hochzeit war schon schön, nur der Sekt, der schmeckte nicht so gut wie meiner zu Hause“. „Nein, es war ein wunderschönes Tag, nur der Regen zum Schluss, der hätte nicht sein müssen“. Und so verbringen wir oft den ganzen Tag damit, uns über alles und jeden zu beschweren. Über die Ampel, den Idioten am Steuer, den Lehrer, den Arzt, den Partner, unsere Kinder, unsere Geschwister, die Politik und was es sonst noch so alles gibt. Doch am liebsten beschweren wir uns auch noch über die, die uns nahe stehen. Den Partner, die Kinder, die engsten Freunde, unsere Lehrer.

Doch neben dem Fakt, dass wir es uns dadurch nur selber schwer machen, passiert auch noch mehr, was uns unbemerkt sehr schadet und ebenfalls krank macht. Denn wenn wir uns beschweren, sind wir nicht in dem Moment, der gerade passiert. Wir SIND nicht, sondern weigern uns und beschäftigen uns eben mit Dingen, die nicht richtig sind und dringend mal geäußert werden sollten. Doch wir spüren nicht, dass das Leben nicht wartet. Wir spüren nicht, dass wir einen Moment nach dem anderen verpassen, weil wir so sehr mit dem Kritisieren, dem Meckern, dem Beschweren befasst sind. Wir leben nicht und tauchen nicht ein in die Seligkeit des Seins und deshalb geht dieses Sein an uns vorbei. Nicht weil der Moment uns ausschließen will, sondern weil wir uns selber ausschließen. Und genau dieser Verlust des Moments bringt nicht nur jede Menge Probleme mit sich, da wir ja eben nicht beteiligt sind und gar nicht wahrnehmen können, was wirklich passiert ist. Der Verlust des Moments bringt auch Unzufriedenheit, Ärger, Zorn, Frust, Neid, Geiz (verweigerte Solidarität), Grübeln, ständiges Denken, Traurigkeit, Angst und vieles mehr mit sich. Und all diese Emotionen sind ursächlich für Krankheit zuständig. Wir nennen Krankheiten ja oft auch Be-schwer-den. Auch dort taucht das Wort schwer auf. Und das Leben sollte immer eine gewisse Leichtigkeit in sich tragen. Egal, wie anstrengend es gerade ist, diese Leichtigkeit sollte uns dennoch begleiten. Sie kann es aber leider nicht, weil wir die Schwere vorziehen bis wir Beschwerden haben und krank werden.

Zu hohe Erwartungen ans Leben, an Andere, an uns. Zu viel wollen, zu wenig Sein. Wir sind nicht zufrieden und damit nicht in Frieden mit der Welt, die uns nun mal umgibt und unsere Heimat ist. Wir können nicht genug bekommen, können nichts so akzeptieren wie es ist und suchen immer Makel. Unsere Werbung und die Wirtschaft wie beispielsweise die Banken spiegeln uns dies ständig, weil sie darüber an uns verkaufen können. Denn wir brauchen immer. Es reicht nie. Und dadurch werden wir nervös, unruhig, suchen schon den nächsten Makel oder das nächste Ziel und kommen niemals zur Ruhe. Und alles, was wir tun, soll eben möglichst perfekt sein. Doch wenn uns diese Welt, die Natur um uns herum etwas vermittelt, dann doch das, dass sie unperfekt perfekt ist. Mit Makeln, mit Fehlern, mit Ungenauigkeiten. Und das genau diese Dinge Entspannung zulassen und uns die Möglichkeit geben, einfach nur zu sein wie wir sind und zu genießen was wir haben und gerade erleben. Ohne Ziel, ohne Leistungsdruck, ohne muss.

Jetzt, ab Montag, im neuen Jahr des Feuer-Affen, gilt es wieder, wie jedes Jahr, das Leben umzukrempeln und Neuem eine Chance zu geben. Die ersten vier Wochen des Jahres bieten die Möglichkeit, sich körperlich, energetisch und vor allem geistig-seelisch zu erneuern. Heilung ist gerade in dieser Zeit am einfachsten möglich. Und die Buddhisten benutzen den Begriff „schlechte Rede“, die es zu vermeiden gilt. Also, neben meckern und sich beschweren geht es sogar noch weitreichender um die Lust am Lästern. Auch Lästern sollte generell vermieden werden, aber besonders in diesen ersten vier Wochen des neuen Jahres!  Deshalb wird gern das Schweigen im Retreat praktiziert. Nutzen wir die kommende Zeit und lassen zumindest eine Sache so gut es geht für 4 Wochen sein: Meckern und Beschweren!! 😉

Und wer mag, verbindet diese Zeit noch mit der Anrufung der Grünen Tara (s. letzter Beitrag) und einer anschließenden Reinigung des Körpers. Ich wünsche allen viel Freude beim Reduzieren des Beschwerens und wünsche Ihnen eine sanfte, große Leichtigkeit in Ihrem Tun!

 

Foto: Helmut Wegmann, www.pixelio.de

 


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