Ein Retreat – Der Rückzug zu sich selbst

Immer häufiger suchen die Menschen nach Rückzugsorten, nach Stille, nach einer Auszeit, nach sich selbst! In Intensivwochen oder in alten Klostermauern glauben wir, diese Sehnsucht nach Stille, diesen Zugang zu unserem Inneren, zu unserem Herzen leichter finden zu können. Und prinzipiell ist das richtig. Frei nach dem Motto:Raus aus dem Alltag, hinein ins Vergnügen“.


Doch nicht immer ist das, was wir dann erleben und wem wir dann begegnen wirklich so vergnüglich. Manchmal sind wir erschrocken darüber, wer wir sind. Wir sind verunsichert, was sich alles unser Eigen nennt. Oder wir fliehen vor uns selbst, weil wir den ganzen Anblick dessen, was uns wirklich ausmacht, nicht ertragen können oder es zumindest jetzt noch nicht der rechte Zeitpunkt ist. Denn ein Rückzug zu uns, ein Rückzug aus der äußeren in die innere Welt ist nicht immer angenehm, selten so wie vorgestellt aber Gott sei Dank auch niemals endgültig.

Die Idee eines Retreats finden wir schon früh in der Geschichte der Menschen, auch wenn der Zugang zur Natur, zum Dao und dem darin eingebetteten eigenen Sein vielleicht einmal noch tiefer in uns verwurzelt war, als es momentan der Fall zu sein scheint. Zu sein scheint deshalb, weil wir uns ja letztlich niemals vom Dao, von uns entfernen können. Dies ist schon ein verräterischer Gedanke, denn er gebiert die Zweiheit (dem Magen zugeordnet). Doch alle weisen Traditionen lehren uns etwas von Herz, von Einheit, von alles ist mit allem verbunden. Es gibt keine Trennung von was auch immer. Es gibt keine einzelnen, unabhängig agierenden Objekte. Es gibt nur das Sein. Allumfassend! (Das All umfassend ;-)). Dies bedeutet, dass Einheit, dass das Dao, die Natur, das Göttliche (oder wir auch immer ihr es nennen möchtet) unaufhörlich wirkt und erfahrbar ist. Somit macht ein Rückzug aus der äußeren Welt wohin auch immer eigentlich keinen Sinn. Dies ist tatsächlich ein spannender Aspekt, da wir aus der Geschichte wissen, dass es beispielsweise Menschen, die lange Zeit abgeschieden in Klostergemeinschaften gelebt haben, durchaus schwer fällt, in der normalen Welt, wie wir sie kennen, zu leben, sich selbst darin gut ertragen zu können bzw. damit klar zu kommen. Abgeschiedenheit allein macht keine Erfahrung und schon gar keine Erkenntnis. Wenn einfach bestimmte Dinge im Leben nicht auftauchen, dann fällt es leicht, gut damit umzugehen. Doch wenn sie auf ein Mal im Leben eine Rolle spielen, dann sieht die Sache deutlich anders aus.

Und dennoch ist der Rückzug in die Abgeschiedenheit eine wertvolle Methode, höhere Einsichten über die Welt und sich selbst zu bekommen, seiner Gesundheit etwas Gutes zu tun, sich mit sich auseinanderzusetzen ohne direkten gesellschaftlichen oder persönlichen Druck und es ermöglicht andere Geisteszustände, die hilfreich, äußerst belebend und tiefgreifend sein können. Natürlich können sich all diese Aspekte auch einfach so im Leben ereignen. Aber dies sicherlich viel, viel seltener und zumeist weitaus weniger weitreichend.

Was gibt es für Rückzugsmöglichkeiten im Leben eines normalen Europäers im 21. Jahrhundert?? Eine faszinierende Frage. Beginnen wir mit dem Alltag. Der Dalai Lama hat wunderbar gesagt, dass wir uns täglich für mindestens eine Stunde zurückziehen sollten in eine Meditation. Das wäre ein guter Anfang. Vielleicht nicht gleich eine Stunde, aber mit 15-20 Minuten beginnend, kann man sich ja langsam an diese Stunde herantasten. Was ist Meditation dabei?? Nun, das ist nicht einfach zu beantworten. Aber, wer nicht gleich eine richtige Methode erlernen möchte, beginne mit einer Tasse genüsslichen Teesallein. Mit einer schönen Musik die nicht anregt, sondern beruhigtallein. Mit einer geführten Meditation von einer CDallein. Und nach und nach lassen wir dann die äußeren Dinge weg. Den Tee, die Musik, die Anleitung von CDeben wirklich allein. Obwohl, wirklich allein sind wir nie, das ist ja das Spannende! Doch diese Erfahrung benötigt kontinuierliches Üben und Zeit. Als nächstes könnte dann tatsächlich eine tägliche Meditation das Richtige sein. Egal welche Methode, welche Schule wir bevorzugen, wir müssen es praktizieren und das möglichst regelmäßig, sprich täglich! ;-D

Weiter kommen dann Fremdangebote ins Spiel. Wir ziehen für 7, 12, 14, 21 Tage (oder länger) ein in ein Kloster oder buchen uns in eine Gemeinschaft ein, die solche Retreats anbietet. Hier kann ich aus eigener Erfahrung berichten, dass ich meine tiefgreifendsten Erlebnisse, Erfahrungen, Heilungen und Erkenntnisse in solchen Retreats mit entsprechenden Dao-Meistern oder Lamas (o.Ä.) gemacht habe. Du bist zwar allein, alle Alltagshandlungen sind drastisch reduziert, aber du wirst auch geführt, gestärkt und mit zusätzlicher Energie (durch Übertragung) versorgt. Durch gemeinsame Aufgaben, durch mehrmals täglich stattfindende Übungszeiten, durch ein Gespräch mit dem Lehrer, durch deinen Rückzug, der es dir ermöglicht, die Erfahrungen auch wirken und ankommen zu lassen. Nichts reißt dich sofort wieder aus diesem Moment heraus. Du hast die Zeit und die Ruhe, alles wirken zu lassen und annehmen zu können. Solche Retreats sind wundervolle Möglichkeiten der Selbsterkenntnis und Heilung.

Deshalb biete ich regelmäßig solche Retreats an. Von 5 bis hin zu 10 Tagen sind die Retreats in der Dao-Akademie momentan. Oft begleitet von meinen buddhistischen oder daoistischen Lehrern. Die Retreatzeiten sind in der Regel angepasst an die Jahreszeiten. So gibt es Retreats zu den Wechseln vom Yang zum Yin und Yin zum Yang (Sommer, Winter) und vom kleinen zum großen Yin und Yang (Herbst, Frühling). Alle Jahreszeiten haben eigenen Qualitäten, die auch den Menschen umfassen und entsprechend gefördert werden und zu Tage treten sollen.

Nun kommt eine Möglichkeit, für noch längere Zeit ins Retreat zu gehen. Dazu gehört der Beitritt zu einer entsprechenden Glaubens- oder Übungsgemeinschaft wie es etwa ein Kloster darstellt oder wir mieten uns für einige Monate oder Jahre ein in entsprechende Zentren von buddhistischen oder daoistischen Meistern. Heutzutage oft als „Sabbatjahr“ bezeichnet. Auch hier möchte ich in Zukunft (ab Januar 2017) die Möglichkeit bieten, solche Retreats in der Dao-Akademie zu ermöglichen. Von einer Woche bis zu drei Jahren soll es Interessierten die Möglichkeit bieten, Qigong, Meditation, Massage, Atemtraining und Inhalte der Klassischen Chinesischen Medizin begleitet zu üben, zu erfahren und in sich aufzunehmen. Die Voraussetzungen dafür sind deutlich höher als die vorherig angesprochenen Angebote und Möglichkeiten. So wird eine gewisse Unabhängigkeit für die Zeit notwendig sein und ein gewisses finanzielles Polster, um diese Zeit auch finanzieren zu können. Wir werden das Angebot des Retreats auch spezifisch erweitern und für Patienten anbieten, die sich für einige Wochen (1-4 Wochen) ausschließlich ihrer Gesundung widmen wollen. Dann werden zu den Übungseinheiten Massagen, Guasha, Moxatherapie und Ernährungsvorschläge aber ggf. auch Behandlungen mit Akupunktur und Kräutern dazu kommen.

Ich wollte euch mit diesem Blogbeitrag in Kürze die Vorteile und meiner Meinung nach Notwendigkeit aufzeigen, regelmäßig ins Retreat zu gehen. Auf allen Ebenen des Seins sind solche Retreats hilfreich und wir können ja klein beginnen.

 

 


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