Ist „Tod durch Überarbeitung“ möglich?

In Japan wird diese Frage gerade intensiv untersucht, da es im vergangenen Jahr mehrere Hundert anerkannte Tote durch Überarbeitung gegeben hat. Die Dunkelziffer liegt wesentlich höher. Nun, ist der Tod durch Überarbeitung möglich? Ja sicher! ist die Antwort der Chinesischen Medizin.


Die Dauer des Lebens wird bestimmt durch das Nieren-Qi, in seiner materiellsten Form Jing genannt. Es ist uns von der Zeugung an mitgegeben als Geschenk von Papa, Mama und dem lieben Gott/Dao/Universum/Natur, nennen Sie es, wie Sie es eben nennen wollen. Dieses Geschenk wird als vorgeburtliches Qi bezeichnet. Es kann nicht direkt aufgefüllt werden, aber durch eine gesunde Lebensweise geschützt werden. Der Verbrauch verlangsamt sich, wir leben länger oder zumindest weniger leidvoll mit weniger gesundheitlichen Problemen.

Neben einem guten Schlaf, einer regelmäßigen und gesunden Ernährung, wenig Drogen und einer ausgewogenen Sexualität ist die tägliche Arbeit eine der Möglichkeiten, sich vor einem hohen Jing-Verlust zu schützen. Es kommt nicht nur, wie es in dem japanischen Artikel den Anschein erweckt, auf die Dauer der Arbeit, die Arbeitszeit an – dort waren 80 Überstunden im Monat keine Seltenheit -, sondern auch darauf, wie wir arbeiten. Also die Arbeitsbedingungen. Und neben den üblicherweise hierunter verstandenen Bedingungen wie Lautstärke am Arbeitsplatz, Arbeit mit gesundheitsgefährdenden Substanzen etc., verstehen wir in der Chinesischen Medizin auch unsere eigene, innere Einstellung zur Arbeit darunter. Also, unsere von uns selbst erzeugten Arbeitsbedingungen.

Gehe ich gerne zur Arbeit, mag ich meinen Job, mag ich die Herausforderungen auf der Arbeit, den Chef, die Chefin, die Kollegen, bin ich dankbar für meine Arbeit, weil ich damit meiner Familie und mir ein Zuhause, ein Leben ermögliche? Diese Einstellungen sind sehr wichtig, um möglichst wenig Jing zu verbrauchen. Denn, wenn ich mich zur Arbeit quäle, mich ständig dort aufrege oder der Verzweiflung nahe bin, mich dort nicht wohlfühle und ständig an allem dort etwas auszusetzen habe, wird mich dies sehr viel Kraft, sehr viel Nieren-Jing kosten. Das nennen die Daoisten Doppelt-Doof-Prinzip ;-)! Wenn ich es nicht ändern kann – was ja evtl. eine Möglichkeit wäre – ergebe ich mich diesen Bedingungen und gebe mich aus Dankbarkeit ganz dieser Aufgabe hin.

Ein weiterer Gesichtspunkt ist ebenfalls äußerst wichtig aus dem Verständnis der Chinesischen Medizin heraus. Ich sollte meinen Job immer kreativ-schöpferisch ausüben. Das geht übrigens mit nahezu jedem Job. Lassen Sie sich etwas einfallen, WIE Sie die Aufgaben erledigen oder suchen Sie für sich selbst entsprechend schöne Vorstellungen, die Ihnen helfen Ihren Job entspannt und mit Freude, mit Lust zu tun. Auch dies spart Ihnen eine Menge Aufregung und Ärger und jede Menge Nieren-Energie.

Weiter ist auch das innere Festhalten, die Angst vor dem Wandel in Ihrer Arbeit ein großer Energieräuber. Wir glauben oft, wir sind unersetzbar! Doch das stimmt natürlich nicht. Jede Veränderung wird vom Dao bestimmt. Wenn also ein neuer Kollege oder ein Nachfolger die Arbeit anders macht als Sie, so ist dies der Wunsch und Ausdruck des Dao. Genießen Sie es dann lieber, jetzt weniger Verantwortung zu tragen, sich neu dem Leben stellen zu dürfen oder sogar das Leben – etwa durch ein Hobby oder mehr Qigong – ganz neu entdecken zu dürfen. Lassen Sie auch auf der Arbeit einfach los.

Und letztlich spielt natürlich auch im Arbeitsprozess das Alter eine Rolle. Wir waren vielleicht in jungen Jahren der Allrounder, der Mega-Organisator oder anders ausgedrückt einfach wesentlich belastbarer und kraftvoller. Doch mit zunehmendem Alter wird diese schwindende Kraft und Power der Jugend ersetzt durch Weisheit und Erfahrung. Erkennen Sie das für sich selbst! Sonst werden Sie, gerade in der heutigen Zeit der wahnsinnig schnellen Wandlungen und Veränderungen, verzweifeln. Ich sage nur Burnout.

Bleiben Sie neugierig, lernen Sie immer wieder auf’s neue und bewahren Sie sich die Lust an Ihrer Arbeit, dann stören ein paar Überstunden auch nicht. Und wenn es zu viel ist, dann nehmen Sie sich diese Auszeit, insbesondere, wenn Sie wirklich krank sind. Krank ist krank und nicht halb krank. Wer krank ist, kann nicht arbeiten. Auch das ist falsch verstanden und zeigt an Festhalten an Dingen, an denen es nichts festzuhalten gibt.

Abschließend möchte ich noch kurz erwähnen, dass alles was wir tun, letztlich zu einem Verbrauch des Jing führt. Das Ziel des Lebens ist der Tod, kein Zweifel. Doch wenn wir aufrichtig, mit Freude und Dankbarkeit arbeiten und nicht um jeden Preis ständig nach Mehr streben, wird uns die Arbeit genauso viel Kraft kosten, wie Sie uns einen Gegenwert bringt für unser Alltagsleben. Entspannung und Mäßigung sind auch dort Stichworte, die heutzutage umso wichtiger geworden sind. Manchmal in der Menge, aber nicht zwingend, sondern in der Art wie.

Comicbild: Stefan Bayer_pixelio.de


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