Der Moment der (inneren) Heilung

Angeregt durch meine Erfahrungen und Fragestellungen in meinen letzten Kurswochenenden, mit beeinflusst durch meine gerade beendete Fortbildungsreise im Rahmen meiner Meister-Ausbildung in den USA bei meiner Dao-Meisterin Liu und auf den Punkt gebracht durch meinen heutigen Traum (ich weiß selten meine Träume, aber wenn, sind sie wichtig gewesen;-)), möchte ich heute ein paar Gedanken zum Thema (innerer) Heilung zu Papier bringen oder eher ins virtuelle Netz;-). Auf jeden Fall sollten wir verstehen, dass Heilung nicht einfach durch eine Ernährungsumstellung oder durch joggen gehen entsteht.

Heilung ist immer ein innerer Prozess, deshalb die Klammer. Das Wort Heilung benutze ich jedenfalls in dem Sinne als Ausdruck für einen tiefgreifenden Prozess des Ausgleichs, des Balance-Findens, der Harmonisierung innerer Aspekte meines Lebens. Körper, Qi aber insbesondere meine Geisteshaltung oder mein Ausgleich auf der Seelenebene sind in eine neue Dimension eingetreten. Tiefe Selbst-Erkenntnis und Weisheit haben sich durchgesetzt und wiederum zur (zumindest partiellen) Heilung geführt. Das ist die daoistische Idee von Heilung.

Gesundheit dagegen wird oft eher als nur begrenzt über die körperlichen Aspekte hinausgehend verstanden und wenn doch, dann mehr als ein äußerer Prozess, der beispielsweise durch Medikamente, Ernährungsumstellung oder einen Arzt oder Therapeuten ausgelöst bzw. vollführt wurde. Getreu dem Motto, ich jogge jetzt, das ist gut für meine Gesundheit.

Heilung entsteht aber nicht durch joggen gehen oder sein Essverhalten ändern! Ich muss tiefer verstehen, ich muss es durchdringen, was das, was ich gerade tue, mit meinem Leben zu tun hat, erst dann können Heilungsimpulse sich breit machen.

Zum Verständnis. Wenn ich einfach vom Fleischesser zum Vegetarier werde, dann ändert sich mein Geist, meine Art zu leben nicht!! Ja, richtig gelesen! Was sich ändert, ist der Inhalt dessen, was ich tue, aber nicht das wie! Ich kann nach wie vor im Inneren ein blutrünstiger Fleischesser sein;-)! Als Bild verstanden bitte. Vorher war ich ein verbohrter fleischessender Dogmatiker, nun ein sich vegetarisch ernährender verbohrter Dogmatiker. Ich muss auch tief im Inneren begreifen, warum ich etwas tun sollte und welchen konkreten Bezug es zu meiner wahren Natur hat. Welchen Bezug zu meinem ganz persönlichen Mensch-Sein. Ich muss das verbohrt und dogmatisch ändern, nicht die Art des Speisens. Ähnlich verhält es sich mit dem joggen gehen. Ich muss innerlich begreifen, warum und wie Bewegung gut und heilend für mich ist. Ansonsten werde ich auch da zwar vom Couchpotato zum Spitzensportler, aber kenne auch da die Grenzen dessen, was wirklich gesund und heilend für mich ist, nicht und laufe so Gefahr, eben viel zu viel Bewegung in mein Leben zu bringen und viel zu wenig nährendes, erholendes, den Körper und die Seele fütterndes. Ich powere mich einfach nur aus. Beides, nur auf dem Sofa sitzen als auch sich nur auszupowern bleiben von der Idee her gleich: Ich ändere mich nicht als Person, ich ändere nur Inhalte. Und das heilt eben nicht, ja, letztlich schadet es sogar der Gesundheit im o.g. Verständnis, auch wenn es sich zunächst gesund anfühlt und auch wirkt.

Heilung benötigt eine Persönlichkeitsversänderung. Deshalb sind Emotionen, Psyche und Seelenheil so wichtig und so unterbewertet in dieser modernen Gesellschaft, die alles einteilt in irgendwelche intellektuellen Raster, Messdaten und Schubladen, aber leider keine Ahnung mehr davon hat, was unsere wahre Natur und welchen Bezug wir zur uns umgebenden Natur wirklich haben. Wir laufen mit Messdatenuhren auf einem Laufbandfernsehschauend -, statt ein paar wirklich gesunde Schritte in den Wald zu tun. Wir essen nun vegetarisch, aber merken nicht, dass unser Körper womöglich immer kälter wird. Wir nehmen irgendwelche Blutdruckmittel, statt zu begreifen, was denn unser Blut so bedrückt. Die Liste ließe sich endlos fortsetzen. Dies soll zum Verständnis reichen.

Im Qigong dürfen wir diese Tore, die Türen zu wirklicher Heilung schneller erfahren. Qigong ermöglicht uns die Sicht auf und den Eintritt in diese Sphäre, die Gesundheit und Heilung genannt wird. Sie sorgt dafür, dass es uns überhaupt möglich ist, die Welt um uns und in uns zu verstehen und nach diesen Prinzipien zu handeln und daran zu heilen. Qigong bringt den Schrei der Seele nach Veränderung, nach Liebe, Harmonie mit der Natur, Eins-Sein mit dem Kosmos, nach Bescheidenheit, Dankbarkeit, Freundlichkeit, Mitgefühl, Füreinander da sein deutlich zum Vorschein, oft besser als es ein Spiegel oder aber gute Freunde tun könnten. Und dieses aufzeigen, dieses betreten des Terrains der Heilung ist nicht immer leicht! Es ist nicht easy! Es ist fast immer begleitetzumindest zeitweisevon Schmerz, Leid, ungutem Gefühl und Zweifeln. Das gehört zum Prozess dazu und diese und andere Zeichen der Heilung sollten wir dankbar aufnehmen, annehmen und feiern. Qigong fördert die natürlichen Prozesse des Körpers, regt die tiefer liegenden Funktionen des Qi an und stärkt diese und es beruhigt den Geist und öffnet das Herz, damit wir wirklich klar sehen, wer wir sind und was wir hier auf dieser wollen und sollen.

Das wünsche ich uns: Zeiten der Heilung, in denen es kaum noch Zeit für Heilung im Sinne von Muße, Einsatz und Mut zur inneren Auseinandersetzung mit mir selber, zur eigenen Hinterfragung dessen, was ich will und wer ich wirklich bin, gibt!

 

 

 

 


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