Erläuterungen zur TV-Sendung „Vererbte Narben“ auf ARTE

Gelegentlich gibt es doch noch gute TV-Sendungen, auch wenn man sie zumeist mit der Lupe suchen muss. In der Sendung „Vererbte Narben“ auf ARTE ging es um Übertragungen. Übertragungen von erlebtem Leid, Schuldgefühlen und Ähnlichem (Traumata) von Vätern oder Müttern auf ihre Kinder, bewusst oder unbewusst. Der Film bezog sich auf einzelne Fälle, wo beispielsweise der Vater ein Kriegstrauma erlitten hatte und die Kinder dieses immer wieder träumten, ohne dass sie dabei gewesen sein konnten. Oder auf Missbrauchsfälle in der Familie, die „weitergegeben“ wurden.

Wie ein Arzt im Film zitiert wurde:“Da stößt unser naturwissenschaftlicher Ansatz an Grenzen…!“. Für uns, die sich mit Klassischer Chinesischer Medizin auskennen oder zumindest dafür interessieren, ist es unser ganz normaler Ansatz. Der Geist, Shen, ist Wurzel aller Geschehnisse, also auch aller Erkrankungen. Und natürlich gibt es Übertragungen. Übertragungen, die nicht nur etwas mit Krieg oder Missbrauch zu tun haben. Sondern auch leichtere Formen von Verletzungen und Ängsten, egal ob als Opfer erlebt oder als Täter ausgeführt, erzeugen Übertragungen auf die nächste Umgebung, in der Regel auf die Kinder UND Enkelkinder, aber möglicherweise auch auf Partner.

Im Film wird aus Forschungen berichtet, die von bis zu drei Generationen ausgehen, in denen ein ursächliches Erlebnis hinein wirkt. Das bedeutet, das traumatische Erlebnisse des Vaters oder der Mutter sich auf Kinder, Enkelkinder und wiederum deren Kinder auswirken können. Die Fälle im Film zeigten einige dieser Geschichten hautnah und teilweise auch sehr erschütternd. Da es scheinbar, zumindest zunächst, keinerlei Gründe für die plötzlich so heftigen Schlafstörungen, die auf einmal auftretenden Depressionen gab. Es gab Berichte von Tätern, die anderen Menschen großes Leid zugefügt hatten und darunter litten UND dieses Leid dann auch noch weiter gaben, übertrugen auf ihre Kinder. Es gibt auch eindeutige Hinweise darauf, dass Ängste in der Schwangerschaft zu Hirnentwicklungsstörungen führen können, wie am Beispiel einer schwangeren Mutter, die einen schweren Bombenangriff erlebte, aufgezeigt wurde. Zudem wurde erläutert, dass in diesem Zusammenhang die Übertragungen von Menschen mit derartigen Geschichten 6 mal häufiger zu Herzinfarkten und 10 mal häufiger zu bösartigen Krebserkrankungen führen.

Ich bin mir sicher, dass schon weitaus kleinere Erlebnisse einzelner Menschen zu eigenen problematischen Entwicklungen als auch krankhaften Übertragungen führen können. Das war für mich auch ein wenig verwunderlich. Die in dem Film gezeigten Beispiele deuten auf 2-3 Generationen hin, die an den Übertragungen von Traumata leiden. Doch keine Idee, kein Ansatz, kein Wort darüber, dass die betreffenden Generationen ja ebenfalls Ahnen, Väter, Mütter und Großväter, Großmütter hatten, und dass auch diese sicherlich, zumindest teilweise Krieg, Leid, Tod, Verletzungen und Ähnliches, eben Traumata erlebt haben. Und wenn man diesen Gedanken, diesen Fakt, konsequent zu Ende denkt, dann kommt man doch eigentlich bei dem an, was die asiatische Welt als KARMA bezeichnet, oder!?!

So wünschenswert und positiv also die gezeigte Forschung und auch die daraus resultierenden Schlussfolgerungen sind, so frage ich mich immer wieder, warum wir nicht auch hierzulande auf schon Bekanntes zu diesem Thema zurückgreifen und dieses schon bekannte Wissen der Asiaten eben nutzen und ggf. ergänzen?? Die Klassische Chinesische Medizin arbeitet seit Jahrtausenden mit eben dieser Idee und entsprechenden Schlussfolgerungen, Konzepten, Diagnosen UND Therapien.

Das GEISTIGE, Shen ist Urquell aller Erscheinungen. Und darüber wissen die alten Chinesen einiges und haben entsprechende Erfahrungen, die zum Wohle der Betroffenen nicht ungenutzt bleiben sollten, denn es gibt immer mehr Betroffene!


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