Shen – Ein (riesiges) Kapitel für sich in der KCM

Wenn es um den Begriff (Schriftzeichen) shen <> Geist/Gottheit des Blitzes/Geistesblitz in der Klassischen Chinesischen Medizin geht, so ist dies ein weiteres Beispiel für die Genialität der chinesischen Sprache und den entsprechenden Schriftzeichen. Sie sind in der Lage, durchaus komplexe und sich teilweise widersprechende Aspekte in einem Schriftzeichen zu vereinen.

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Dem Winter richtig begegnen

Der Winter

Gerade hat der Lidong-Zeitabschnitt begonnen. Mit Beginn dieses Zeitabschnitts hat sich das Yin endgültig durchgesetzt und der Winter, Dunkelheit und Kälte sind bereits da oder stehen unmittelbar bevor.

In dieser Zeit sind verschiedene Dinge für den Menschen wichtig, so er denn im Einklang mit der Natur, den Jahreszeiten leben und damit gesund und zufrieden sein möchte.

Zum einen müssen wir uns körperlich wärmen und zurückziehen. Passende Kleidung, heute oft überhaupt nicht mehr verstanden, ist extrem wichtig, um uns vor äußerer Kälte zu schützen. Füße, Bauch, Nacken und Ohren sind stets bedeckt und warm zu halten.

Unser Essen muss langsam umgestellt werden auf wärmende und nährende Nahrungsmittel wie gekochtes Getreide, Eintöpfe, Kraftsuppen, wer mag gerne etwas Fleisch. Rind, Ente, Gans und Lamm sind wunderbare Wärmelieferanten. Kalte Nahrungsmittel, insbesondere Eis und kalte Getränke sollten gemieden werden.

Der Schlaf sollte nun ausgiebiger werden. Wir gehen früh ins Bett (21.30 Uhr) und stehen spät auf ( 6.30/7.00 Uhr). Egal welchen Tagesrhythmus Sie haben, ändern Sie ihn nun leicht dahingehend, dass Sie länger schlafen können. „Hast du den Winter richtig gelebt, kannst du im Frühling einen Tiger erlegen“, heißt es in alten chinesischen Texten.

Schützen Sie Ihre Nieren. Stille Qigong- und Atemübungen oder Meditationen sollten uns nun täglich für mindestens 40 Minuten begleiten. Halten Sie mit Ihren Kräften haus, nicht überanstrengen, kein Stress (schon gar nicht zur Weihnachstzeit) und seien Sie zurückhaltend in der Sexualität. Jeder Orgasmus ist ein Verlust an Essenz von Niere und Leber. Und genau diese Essenzen wollen wir ja im Winter schützen und bewahren.

Täglich ein kleines Danke-Schön an das Dao, ein Gebet, ein Mantra helfen ebenfalls den Geist zu beruhigen. Dazu ein kleiner Spaziergang an der frischen Luft. Wenn die Sonne scheint, genießen Sie die Sonne und lassen Sie sich diese auf den Rücken scheinen.

Bleiben Sie ruhig im Herzen, still im Geist und unberührt von Erwartungen, Wünschen und Vorstellungen, wie das Leben sein soll. Durch eben diese Wünsche und Erwartungen entstehen überschäumende Emotionen, die niemals gesund sind, aber zur Winterzeit sehr schädigend auf das Nieren-Qi einwirken. Insbesondere Ängste, Kummer und Sorgen sind jetzt fehl am Platze. Sie können schnell zu einem Absturz des Nieren-Qi führen und damit auch Depressionen entstehen lassen.

Deshalb steht im „Gelben Kaiser Werk“: “Der Ruhige lebt lange, der Unruhige stirbt früh!“.

 

Weitere Tipps für die nächsten Wochen:

Abendliche heiße Füßbäder mit 3  Scheiben Ingwer regen das Nieren-Yang an und wärmen die Beine. Außerdem regen sie die Qi- und Blut-Zirkulation an.

Eine tägliche Nasenmassage sorgt für eine freie Atmung und beugt Erkältungen vor. Eine Armmassage (vielleicht als Partnermassage) hilft gegen schlechte Laune und aktiviert das Herz-Qi.

Im Winter wird das Verdauungssystem stark gefordert. Die äußere Kälte und Feuchtigkeit behindert ebenso wie der Wunsch nach deftiger, wärmender und nährender Kost. Im Winter sollen wir deftig essen und viel essen, um unsere inneren Schätze (jing, qi, xue, jinye und shen) zu stärken und zu nähren. Deshalb müssen wir unsere täglichen Aktivitäten herunterschrauben. Außerdem sollen wir nicht so viel denken. Mehr Stille, weniger denken. Mehr Visualisierungen in Qigongübungen und mehr Mantren statt Party feiern, unterwegs sein und zu viel arbeiten.

Täglich einen Löffel guten Honig essen, um das Darmnetzwerk geschmeidig zu halten.

Zudem mehrmals am Tag mit den Zehen in den Boden greifen und wieder loslassen. 18 mal wiederholen. Dies öffnet den Yongquan, der immerhin mit der Niere verbunden ist, die wiederum das Qi zur Erhitzung des Verdauungstraktes bereitstellt.

Erhitztes Meersalz, welches in ein Trockentuch eingewickelt auf den Nabelbereich gelegt wird, tut dem Bauch und dem Unterleib gut.

Zur Vorsorge von Blasenentzündungen können Walnüsse in einer trockenen Pfanne in etwas Salz geröstet werden und morgens nach dem Aufstehen und abends vor dem zu Bett gehen je 3-5 Nüsse langsam zerkaut und gegessen werden. Ein Schluck Reiswein oder Cocnac dazu verstärken die Wirkung…;-)!

Und natürlich dürfen die berühmten Massagen von Nieren und Ohren nicht fehlen. Täglich mehrfach die Ohren und Nieren massieren und kneten bis diese glühen! 😉

Selbsthilfe – Bürde oder Chance

Zu dieser Frage, die eine sehr wichtige Frage in unser aller Leben darstellt – weil wir so viel Frei(e)zeit haben, aber äußerst wenig dieser Zeit für unser körperlich, energetisch, geistig-seelisches Wohlergehen nutzen – hat meine Dao-Meisterin im Retreat in diesem Jahr folgenden Satz gesagt:

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Kann Qigong Krankheiten heilen?

Diese Frage wird mir immer wieder gestellt. In Kursen oder auf Vorträgen und in der Therapie von Patienten. Kann ich meine Bronchitis mit Qigong heilen? Kann ich meine Arthrose mit Qigong heilen? Kann Qigong heilen?? JA antworte ich dann immer wieder! Heute möchte ich die Gelegenheit nutzen, meine Antwort etwas präziser zu erläutern und die grundlegenden Wirkprinzipien des Qigong zu beschreiben.

Qigong ist keine Pille, kein Medikament oder eine neue, hierzulande nur unbekannte Medizin oder dergleichen! Das sollten wir nicht verwechseln. Qigong wird nicht eingenommen und dann soll die Wirkung schon kommen. So funktioniert Qigong nicht! Abgesehen davon, dass auch die Medikamente und Pillen, die wir, von einem westlichen Arzt verschrieben, schlucken, wirken nicht so. Das ist wichtig zu verstehen. Die Medikamente regen im Inneren das sogenannte Nieren-Qi an, an diesen oder jenen Ort zu gehen, um dort Probleme zu beseitigen. Ist das Medikament passend, so wird das Nieren-Qi die Problematik vor Ort lösen können und die Beschwerden verringern sich oder lösen sich gar auf. Im Idealfall! Denn, die meisten Medikamente haben teilweise schwere Nebenwirkungen, die schon das nächste Problem, die nächste Erkrankung oder zumindest Beschwerde hervorbringen. Medikamente wirken also nur sehr arealbezogen und symptomatisch, wenn überhaupt. Sie behandeln in der Regel nur die Zweige der Erkrankung (Biao), nicht die Ursache und Wurzel (Ben) und sie haben Nebenwirkungen, die schädlich sein können.

Qigong arbeitet auf einer völlig anderen Ebene und mit einem völlig anderen Ansatz. Qigong lässt uns wieder an unser großes Potenzial anknüpfen, welches uns das Universum (Natur, Dao) zur Verfügung stellt. Es verbindet uns wieder mit unserem Ursprung. In meinen Kursen erläutere ich immer wieder, dass das Dao, die Natur, nicht geizig ist! Die Natur, der Kosmos stellt uns ständig 100% Energie zur Verfügung. Wie sollte es anders sein? Sie bestraft uns nicht, wenn wir etwas Falsches tun oder wenn ihr unsere Nase nicht gefällt;-)! Sie gibt immer großzügig an ALLE und hält nichts zurück (Eine der Hauptfunktion der Lunge – Atem). Wir sind es selbst, die wir uns herausnehmen aus diesem natürlichen Prozess der Teilhabe an der Natur! Wir entziehen uns aus den unterschiedlichsten Gründen (Blockade, Trauma, Weltbild, Geschichte uvm.) dem großen Fluss des Seins. Wir, unser Ego, unsere Vorstellung von der Welt und wie sie zu sein hat für uns (Wünsche, Gier, Gedanken) sind die wahren Übeltäter, die für unser niedriges Energielevel, für unsere Probleme, unsere Erkrankungen verantwortlich sind. Wir sind doch sonst auch immer stolz auf unsere Leistungen! Wir sind es doch, die dieses oder jenes geschaffen haben (Diplom, Doktortitel etc.)! Wieso sind es, was Krankheiten angeht, nicht auch wir, die Verantwortung dafür tragen??

Ohne an dieser Stelle zu tief in die Materie einzudringen, ist hoffentlich klar geworden, dass Qigong uns hilft, wieder zu 100 % am Leben, an der Natur, am Dao teilzuhaben. Deshalb ist auch das Herz (chin. Xin) so wichtig! Nur das Herz erkennt diese Einheit! Das kann der Verstand, die Logik niemals! Nur mit dem Herzen sieht man wirklich gut, heißt es beim kleinen Prinzen und es ist tatsächlich die Hauptfunktion des Herzens, alle Menschen, alle Lebewesen, alle Schöpfung als Einheit zu erkennen und zu er-leben! Und Qigong greift an dieser Stelle ein. Es verbindet uns wieder mit allem. Es schließt uns wieder an an den großen Geist, den großen Fluss, den großen Atem, den großen Puls des Lebens, an das Göttliche.

Und nur deshalb kann Qigong wirklich Krankheiten heilen. Es macht uns nicht nur körperlich gesund, es heilt uns auf allen Ebenen des Seins! Doch wie macht es das? Indem ich einfach immer wieder diese oder jene Übung wiederhole, weil die alten Chinesen das gesagt haben? Ganz sicher nicht! Es beginnt mit dem Qi, welches alles Leben miteinander verbindet. Ich brauche einen neuen Zugang dazu. Den kann ich mir mit Hilfe des Qigong und einem guten Lehrer erarbeiten. Und erarbeiten – gong – ist eben auch sehr wichtig. Wie viel bin ich bereit zu investieren in meine Heilung? In meine Ausbildung? In mein Vorwärts- oder vielleicht treffender Ankommen? Wie weit fahre ich für meine Ausbildung? Wie viel Zeit opfere (Dünndarmfunktion) ich dem Üben und Lernen? Wie viel an Veränderung lasse ich geschehen im Qigongüben und später auch in meinem Leben? Wie viel bin ich bereit zu verlieren, um vom Verlust zu profitieren? Wie viel ist mir mein Leben wert? Wie viel sind mir meine Liebsten wert? Schon das kann entscheidend sein für die Heilung, die Genesung von Krankheit!

Qigong öffnet alle Tore zum Kosmos. Klingt philosophisch und weit weg (oder gar völlig esoterisch), ist es aber nicht! Die alten Chinesen waren Pragmatiker! Der Körper verfügt über weit mehr Zugänge zum Universum, zur Welt, als wir uns vorstellen können. Qigong arbeitet mit all diesen Toren und pflegt nicht nur die körperlichen Aspekte von uns, sondern es pflegt auch unsere geistig-seelischen Ebene, das weitaus größere Tor zum Universum. Haben wir diesen Zugang auch nur einmal für einige Sekunden erlebt, so wissen wir zumindest, dass die Welt größer ist, als wir bisher dachten. Wir können nun andere Seinsebenen betreten und darin anwesend sein. Aufmerksamkeit könnte man es nennen. Doch keine intellektuelle Aufmerksamkeit, sondern eine kultivierte Aufmerksamkeit des Herzens. Doch wo oder was ist denn dieses besagte HERZ? Dazu ist Lernen und Üben, bei jemandem, der sich damit auskennt für die meisten von uns zwingend notwendig. Doch unser Einsatz wird belohnt. Jeder Einsatz für die eigene Kultivierung des Herzens wird belohnt, auch wenn wir es vielleicht nicht sofort bemerken. Und je mehr Tore sich in uns öffnen, desto mehr Power, desto mehr Energie und Heilkraft kann uns durchdringen und uns helfen zu gesunden und zu heilen. Qigong arbeitet an der Wurzel, an der Basis. Dies ist zu Beginn anstrengender, aber letztlich das einzige Prinzip, welches wirklich helfen wird.

Kann Qigong Krankheit heilen? Ja, indem es uns wieder zu dem macht, was wir immer waren und uns zurückbringt, wohin wir schon sooo lange sooo sehnsüchtig wieder hin zurückkehren wollten (Suche)! Aber das ist eben auch Einsatz, Verzicht, Arbeit – gong -!