Burn-Out einmal aus einem anderen Blickwinkel betrachtet…

Gerade lese ich einmal mehr einen Artikel über den sogenannten Burn-Out. Dort heißt es u.A., dass, wenn beispielsweise Symptome wie Überforderung, hohes Stresslevel, Kopfschmerzen, häufige Infekte oder chronische Verdauungsstörungen sowie Stimmungsschankungen oder Lustlosigkeit auftreten, der Verdacht in Richtung Burn-Out abgeklärt werden sollte.

Und es gibt jede Menge weiterer Symptome, die selten (nicht immer) ohne nachvollziehbaren (sprich messbaren) oder doch sehr gering abweichenden Befund bleiben. Die Klassische Chinesische Medizin versuch eher, sich ein tieferes Bild von der Störung beim Patienten zu machen. Sie geht davon aus, dass der Patient etwas zu seiner Erkrankung oder den Symptomen beiträgt und dass dies geklärt und hinterfragt werden sollte.

Ausgehend von der Prämisse, dass letztlich alle Krankheit aus dem Herzen kommt, sprich aus dem Geist oder der Seele (shen) kommt, sucht sie danach, wie die gesamte Immunität des Körpers UND des Geistes positiv verändert werden kann.

Denn bei vielen Symptomen spielt der Patient insofern eine große Rolle, da sein Verhalten, sein Weltbild, seine Einstellungen diese Symptome begünstigen oder gar hervorrufen! Ich möchte dazu ein paar Beispiele anführen, die diesen Punkt verständlicher machen.

Ein Angestellter, der jahrzehntelang gute Arbeit geleistet hat und sich nunmehr immer häufiger überfordert fühlt, sollte beispielsweise auch bei sich schauen, ob seine gefühlte Überforderung nicht eine wirkliche Überforderung ist. Ein 55- jähriger Mensch funktioniert nun mal anders als ein 30-jähriger Mensch. Die sollte auch in uns Berücksichtigung finden.

Vielleicht steckt dahinter eine Erwartungshaltung die nicht erfüllbar ist?? Nämlich, dass wir ewig jung, dynamisch und erfolgreich sind UND bleiben. das widerspricht völlig dem normalen, ganz natürliche Werdegang eines Menschen. Ganz im Gegenteil, die langsamer werdenden körperlichen Prozesse werden ausgeglichen und aufgefangen durch eine größere innere Ruhe und Weisheit. Doch wenn dies nicht zum Vorschein kommt, betrachten wir die Welt wahrscheinlich falsch.

Wir können genauso „schnell“ bleiben wie ein junger Mensch, nur tun wir dies anders. Manchmal ist eben langsamer, aber achtsamer und weiser, zu sein der wesentlich schnellere Weg!

Mein Vater war Rechtsanwalt, also soll ich seine Praxis übernehmen und auch Rechtsanwalt werden, obwohl ich das eigentlich gar nicht will.

Zudem sollten wir schauen, was wir Ziele wir eigentlich mit und in unserem Leben verfolgen. Es ist von großer Bedeutung, sich klar zu machen, worum es im Leben geht und was dies für Handlungen benötigt. Aber dann habe ich schon mal eine sichere wirtschaftliche Zukunft, aber ich lebe nicht mehr wirklich. Tief in meinem Herzen bleibt eine unerfüllte Sehnsucht, mein Talent (meine Berufung!) ausleben zu wollen. Und diese Sehnsucht unten zu halten  kostet sehr viel Energie. Es entsteht, oft ganz unbewusst, eine Unzufriedenheit, eine Traurigkeit, vielleicht unerklärlicher Zorn, was noch mehr Energie verbraucht und unserem Körper schadet.

Manches Mal wird unsere Sehnsucht dann auf die Zeit nach der Arbeit verlegt. Dann machen wir uns Freizeitstress. Wir versuchen das zu leben, was wir eigentlich beruflich leben sollten, dazu fehlt uns dann allerdings wirklich die Zeit bzw. belastet es Familie, Freundschaften etc.! Immer wieder sind wir gefordert zu verstehen, zu erkennen, was wir wirklich brauchen, was wirklich wichtig ist und was es gilt loszulassen. Wir müssen unser Leben hinterfragen, ständig und täglich neu! DAS nennt man in der KCM „Kultivierung des Herzens“! Wir können es auch Selbstpflege nennen und damit ist kein Egoismus gemeint, ganz im Gegenteil. In der KCM gilt es immer zu schauen, was brauche und tue ICH und wie hilft mein Tun dem Anderen, der Familie, den Freunden, der Kommune (den Menschen im Allgemeinen), der Erde.

Die Gesellschaft und die Werbung suggerieren uns, was wir unbedingt brauchen und haben müssten, aber die Werbung lügt, weil sie ausschließlich verkaufen will und die Gesellschaft ist eine sehr träge Masse, die zunächst einmal schwer zu verändern ist, weshalb sie dem Individuum suggeriert, dass Individualität leider ein Problem und nur sehr begrenzt lebbar ist. Sie verlangt Anpassung statt KREATIVITÄT. LEBEN ABER IST PURE KREATIVITÄT! Und deshalb gilt bei den Daoisten, dass das Schlimmste, was einem im Leben passieren kann, das ist, zu Lebzeiten schon tot (unkreativ) zu sein!

Geht aber die Kreativität des Lebens verloren, geht uns unser Halt, unsere Energie, unsere Lebenspower verloren!!! Nicht umgekehrt! Viele Menschen denken oft, dass sie abends ihre Ruhe haben wollen. Sie möchten sich nicht mehr mit ihrem Partner oder ihren Kindern auseinandersetzen, sondern Zeit für sich und vor allem Ruhe haben.

Doch diese Art des Denkens ist ein Trugschluss. Jedwede Auseinandersetzung stärkt die Lunge und wir bekommen für diese Auseinandersetzungen jede Menge Power zurück, weil nur durch Auseinandersetzung die bleiernen Schutzwesten des Alltags aufgelöst werden können. An ihre Stelle tritt Leichtigkeit, de facto mehr Energie.

Das Universum versorgt uns zu jedem Zeitpunkt mit 100 % Energie! Egal, was wir damit machen! Selbst Mörder bekommen diese Energie, da ja erst die Zukunft zeigen wird, was jemand mit dieser Energie tut. So bekommen wir die Rechnung für unser Tun erst im nachhinein, oft als KARMA bezeichnet. Und diese Energie kann nur transformiert, aber niemals aufgelöst werden. So entzieht uns eine falsche Betrachtung der jeweiligen Situation einen Teil dieser Energie und wandelt sie in „runterziehende“ (chin: xie-schrägläufige) Energie. Nicht, weil die Energie so ist. Sie will uns immer aufrecht halten (zheng) und unterstützen. Weil wir sie dahingehend transformieren.

Ein falsches Weltbild, Vorurteile, schlechte Erfahrungen, falsche Vorstellungen, wie die Welt sein soll (statt zu schauen wie sie wirklich ist) kosten uns deshalb sehr, sehr viel Qi, weil wir es so selber konstruieren, nicht weil der Kosmos es so möchte. Depressionen beispielsweise sagen sehr oft eigentlich uns selbst, doch mal den DRUCK rauszunehmen. Es ist kein äußere Druck, sondern wir selber erzeugen ihn.

Burn-Out mit all seinen Symptomen und Beschwerden ist eigentlich ein deutliches Zeichen dafür, dass wir zwar genügend FEUER besitzen (sonst könnte nichts verbrennen), aber wir das Feuer an der falschen Stelle einsetzen. Wie ich schon einmal schrieb, ein Kaminfeuer kann einen Raum heizen und behaglich machen, wenn das ganze Wohnzimmer verbrennt, wird es eher ungemütlich.

Und so sollte die Antwort auf Burn-Out-Zeichen die sein, das Yin (Wasser, Erde) und nicht das Feuer zu erhöhen. Ruhe, Pausen machen, Urlaub genießen und nicht ständig unterwegs sein müssen, Stille üben, Verzicht üben, die Säfte und das Blut pflegen durch wenig Emotionen und gutes Essen, 5 mal gerade sein lassen, Nähe leben, lieben und es gemächlich angehen lassen, weniger ist mehr, mehr Qigong und Meditation – weniger Konzerte, Reisen, Feiern, Termine -, reduzieren halt, mehr innen, weniger außen, mehr SEIN, weniger SCHEIN…


Kommentieren

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.