Die Kultivierung des Herzens 4 – lieben…

In meinem heutigen Artikel möchte ich kurz ein paar Zeilen über unsere Wert-Schätzungen im Leben loswerden. Welche Wertvorstellungen sind heutztage, in einer modernen, sich rasend schnell verändernden Zeit noch wichtig; welche sind überholt; welche müssen mit neuen Inhalten gefüllt werden

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Zhan Zhuang

Protokoll von Hubert zum letzten Zhan Zhuang Retreat

Was bedeutet anhaften??

In diesem Artikel möchte ich, hoffentlich hilfreich für euer Leben und eure Übungspraxis, auf die Idee des Anhaftens ein wenig näher eingehen. Anhaftung ist, laut den Buddhisten und Daoisten, das größte Problem des Menschen, um glücklich und in Frieden leben zu können. Doch was genau ist Anhaftung? Und wie kann ich sie loslassen?

Man könnte Anhaftung auch mit Widerstand gleichsetzen. In dem Moment wo ich an etwas anhafte, leiste ich dem, was im Leben gerade wirklich passiert Widerstand. “Das Wetter ist aber saumäßig schlecht heute”, so könnte ein ganz normaler Alltagssatz klingen, oder?! “Türken sind ja ziemlich radikal in ihrer Religiosausübung.” oder “Oh nein, jetzt habe ich schon wieder einen Gedanken während ich doch – gedankenlos – meditieren wollte!”.

Wir beschweren und beklagen uns über etwas, was schon ist. Wir bewerten eine Situation, die schon eingetreten ist. Oder wir bewerten etwas, das wir überhaupt nicht selber erfahren haben. Das macht absolut keinen Sinn.

Dennoch kann natürlich dieses Gefühl, dieser Gedanke auftauchen. Was ist dann zu tun?

Nun, ich möchte das anhand unserer Qigongpraxis näher erläutern. Wenn wir üben und voll und ganz beim Üben sind, also tief eintauchen in die Übung oder die Meditation selber, dann passieren Dinge. Uns wird heiss oder kalt, wir spüren Druck oder Ameisenlaufen, wir erleben Schmerz oder Unwohlsein. All dies ist in dem Moment, in dem wir es registrieren ja bereits da. Es ist bereits manifestiert in unserem Leben. Und nun tauchen vielleicht Ängste auf. Beispielsweise, weil wir befürchten, dass der Schmerz bleiben könnte oder auf eine Krankheit hindeutet. Oder weil wir es doof finden, dass uns jetzt kalt wird. Oder weil wir doch Leichtigkeit erfahren wollten im Üben und nicht Druck. All diese Reaktionen haben mit der ursprünglichen Situation, mit dem was wirklich ist, nichts mehr gemein. Uns ist kalt. Punkt. Wir haben Schmerzen. Punkt. Wir spüren Druck. Punkt. Alles was dann als Reaktion kommt, hat nichts mehr mit dem eigentlichen SEIN zu tun. Es geht nicht mehr um den Moment, der einfach IST wie er ist. Wir entwickeln selbständige Gedanken, völlig losgelöst von der Situation, in der wir uns immer noch befinden. Und diese Reaktionen, diese Gedanken, diese Bewertungen lösen Unwohlsein und Widerstand aus. Diese losgelösten Gedanken erzeugen Unzufriedenheit nicht die Situation selber.

Wenn wir statt Bewertungen oder emotionalen Reaktionen einfach weiter auf DAS schauen, was wirklich ist, dann lösen sich die Gedanken, die Bewertungen ganz von allein auf. Sie verschwinden, weil wir sie nicht füttern. Wir verweilen weiter in dem Moment und der Situation und beobachten, was passiert.

Womöglich werfen wir uns selber noch vor, dass wir wieder einmal in der Meditation gedacht haben, statt ohne Gedanken zu bleiben. Und stellen dann mit einem unglücklichen Seufzer fets, dass wir es einfach nicht können und das Meditation oder Qigong einfach nichts für uns sind. All die Ideen, all die Gedanken, die so hoch kommen, haben nichts mehr mit der Situation, in der sie entstanden sind, mit dem Moment des Seins zu tun. Und genau dort entsteht das Unglücklich-Sein.

Würden wir in dem Moment bleiben und beobachtend einfach schauen, was noch so los ist und was spürbar, fühlbar ist, dann würden sich viele Probleme sofort lösen. Andere sicherlich erst später. Aber unsere Handlungen, kämen sie aus der genauen Beobachtung dessen, was wirklich ist, würden eine gute Antwort auf die Situation sein, da sie unvoreingenommen sind. Ohne das Zufügen von Unglück, ohne das Zufügen von was auch immer. Einfach nur die Tat, die sich aus der Situation, meinetwegen aus dem Problem selber DIREKT ergibt.

DAS, und vieles mehr natürlich, aber auch genau DAS trainieren wir im Qigong und in der Meditation.

Die Kraft und Bedeutung von Wort und Klang

Ich möchte heute ein wenig über die wahre Bedeutung von Worten und Klängen erzählen, da wir modernen Menschen oft nicht mehr erkennen, wie wir Worte und Klänge richtig verstehen und nutzen können. Sehr oft haben Worte oder Klänge keine tiefere Bedeutung mehr für uns.

Wie komme ich auf solch eine Behauptung? Nun, ich erlebe es beispielsweise immer wieder, dass Menschen mir begeistert von einem wunderschönen Mantren-Abend berichten. Wenn ich dann nachfrage, was denn so schön an dem Abend war, erzählen Sie mir von der Stimmung mit den brennenden Kerzen, den Düften vom Rauchwerk und dem schönen gemeinsamen Gesang. Soweit klingt das gut, oder?!? Oder ich höre Menschen reden, die zu sich und manchmal auch zu anderen sagen, dass sie das Problem doch eh nicht lösen können. Oder jemand behauptet, er kann das nicht oder das kann nicht geändert werden. Auch normal, oder?!?

Nun, ich finde es eben nicht gut, nicht normal, und schon gar nicht tief genug, wahr genung. Meine Lehrer haben wir etwas anderes zum Thema Klang und Wort beigebracht. Am Anfang war das Wort heißt es bei den Christen. Klänge sind Ausdruck des Universums bei den Buddhisten und Daoisten. Doch was meinen diese Aussagen genau?

Ein Wort ist, genau genommen, die Ankündigung einer Tat, einer in die Welt eintretenden Materialisierung. Verstehen Sie? Wenn wir ein Mantra rezitieren, dann geht es nicht um den schönen Gesang! Es geht um die innere Haltung. Es geht um eben die Einstellung, dass ich das Universum darum bitte, dass etwas materiell in diese, meine Welt eintritt und mir den Weg zeigt, mein Leben verändert. Ich zeige durch meine Rezitation der himmlischen, kosmischen Energie den Weg in die Welt, in meine Welt, in den Alltag. Und dieses Verständnis, dieses Wissen und diese Weisheit im geistigen Hintergrund meiner selbst sorgt für den Effekt von Mantren.

Ja, wenn ich ein Mantra singe, will ich nicht einen schönen Abend haben, sondern ich will die Welt verändern. Und in mir ist eine Art Gewissheit, dass das Universum dies hört und mir dabei behilflich ist. Mein Geist vertraut und gibt sich hin. DAS ist das innere Wesen eines Mantra`s.

Ich möchte ein vielleicht etwas alltäglicheres Beispiel wählen, um diesen Aspekt deutlich zu machen. Angenommen, Sie stehen am Beginn einer neuen Partnerschaft, einer neuen Beziehung. Sie haben vorher schlechte Erfahrungen in einer oder mehreren Beziehungen gemacht, Sie haben Ängste. Und so sagen Sie sich – zumindest innerlich – immer wieder, dass Sie Angst haben zu versagen und es nicht hinbekommen, den neuen Partner zu lieben. Dass Sie zweifeln, ob Sie das schaffen.

Das ist eine Art Mantra, was Sie da aufsagen. Und es prägt Ihr Handeln und es erschafft irgendwann womöglich eine Realität. Und zwar eine Realität, die Sie unbedingt vermeiden wollten. Ein besseres Mantra wäre es, Sie würden Ihrem Partner jeden Tag sagen, und zwar laut und deutlich wenn möglich, dass Sie ihn lieben. Dieses ständige Wiederholen dieses Satzes kann ebenfalls eine Realität erschaffen. Nur dieses Mal eine Realität, die Sie ja ursprünglich angestrebt haben, sonst wären Sie ja nicht in dieser Beziehung. Sie wollen ja, dass die Liebe in Ihr Leben einzihet. Sie wollen doch, dass Sie wieder lernen, einen Menschen zu lieben. Sie wollen doch wieder vertrauen in die Liebe und damit zwangsläufig auch in das Universum, in die Welt. Ohne Bedingungen, einfach lieben, wie der Kosmos es tut. Das wollen Sie doch, oder?!! Deshalb seien Sie vorsichtig mit der Wahl Ihrer Worte und Klänge und seien Sie so gut es geht achtsam, wenn es um die richtige Einstellung geht, Ihre Wünsche wahr werden zu lassen. Die geistige Einstellung, das aufrichtige Herz im Hintergrund sind das Wichtige, das Essenzielle an Wort und Klang, vergessen Sie das niemals, bitte!

Nochmals in Kurzform. Ein Wort, ein Klang sollte immer aus dem Herzen kommen. Das Herz (das Kaiserorgan des menschlichen Körpers) öffnet sich in die Zunge. Dies meint, es spricht Wahrheit aus. Es spricht tiefstes seelisches Verlangen aus. Wenn dem so ist – Sie also nicht bewusst oder unbewusst lügen – dann nutzen wir Mantren, Worte, um unserem inneren Gefühl Realität zu verschaffen. Wir bauen es in unserer Welt auf. Wir lassen unseren Herzenswunsch wahr werden. Dazu benutzen wir Worte und/oder Klänge. Und wenn wir unsicher sind, nutzen wir genau diese Methode erst recht, um uns in den Wunsch hinein zu tragen. Wir erbitten Hilfe vom Universum, weil wir es allein nicht schaffen. Und gerade bei inneren Zweifeln ist es ein fantastisches Hilfsmittel.

Es ist ähnlich wie beim Lächeln im Qigong. Selbst gequältes Lächeln zeigt seine Wirkung, weil es heilig ist, weil es die Liebe des Universums erzeugen kann. So ist es auch mit einem Satz wie “Ich liebe dich!”. Er erschafft irgendwann mit unserer Hilfe durch die richtige Geisteshaltung und der Hilfe des Universums eine Realität. Wir sagen diesen Satz zu uns, womöglich auch innerlich, und auch zu unserem Partner oder unserem Kind oder, oder, oder. Statt uns dem Negativem, dem Zweifel zuzuwenden, wenden wir uns dem Positiven, dem Glauben, der Liebe des Universums zu. Und das auch laut und deutlich.

Worte oder Klänge haben also wenig mit einem schönen Abend oder einer netten Technik zu tun. Sie sind Botschafter des Universums und sollten genauso auch eingesetzt und genutzt werden.

Foto: Peashooter, Pixelio

Wir können uns selber nicht mehr riechen

Ja, es stimmt wirklich. Wir können uns selber nicht mehr riechen. Und aus Sicht der Klassischen Chinesischen Medizin ist das ebenfalls schon ein Krankheitssymptom.

Wir waschen, pudern, cremen, schminken und botoxen was das Zeug hält, ohne uns auch nur eine Sekunde lang Gedanken darüber zu machen, worum es uns dabei eigentlich geht und was das, was wir da tun, eigentlich bedeutet.

Die Nase, unser Riechkolben, wird in der KCM dem Organsystem Lunge zugeordnet. Das Riechen als Funktion ist wichtig. Am Geruch erkennen wir beispielsweise schlechtes Essen, wenn etwas in der Nähe kokelt oder eben unseren Nächsten. Aber wir erkennen an unserem eigenen Geruch auch, ob alles in Ordnung ist mit uns, ob wir gesund sind.

Wenn die inneren Organe Probleme haben, dann riechen die Ausscheidungen vermehrt und/oder stärker. Oder wir haben auf einmal Mundgeruch, den wir selber wahrnehmen können. Oder wir riechen bei unserem Partner plötzlich etwas Ungewöhnliches.

“Ich kann jemanden nicht riechen” bedeutet also sehr wohl auch etwas Konkretes. Wir bekommen etwas beim Anderen mit, was uns nicht gefällt, was uns auf Abstand gehen lässt.

Doch inzwischen können wir kaum noch riechen, aus vielerlei Gründen. Zu viel Salz und zu viel süßer Geschmack beim Essen. Auch zu scharfes Essen “tötet” den Geruchssinn (Metall <> Lunge).

Doch hauptsächlich können wir uns selber schon gar nicht mehr riechen…was aus Sicht unseres Sprichwortes fatal wäre, weil wir zu uns selbst auf Abstand gehen. Aber genau das passiert immer mehr. Wir waschen zu oft mit viel zu viel Seife und chemischen Zusätzen. Wir bestäuben uns mit allerlei starken (zumindest auch chemischen) Düften und kleistern zudem unsere Haut mit Cremes, Puder und Parfüm voll. Wir müssen uns ständig duschen, manche mehrmals am Tag, und wechseln im Halbtagestakt unsere Klamotten und im 5-Tage-Takt die Bettwäsche. Weil diese Dinge dann anfangen nach UNS zu riechen statt nach Frühlingsduft und Chemie!

Abgesehen davon, dass es eine enorme Belastung für die Umwelt, vor allem für unser höchstes (und inzwischen rares) Gut, das Wasser ist, zerstört es immer mehr die Fähigkeiten der Nase und der Lunge und führt uns weg von uns selber. Wir sind so sehr bedacht auf eine “äußere” Reinigung, dass wir die “innere” Reinigung sträflich vernachlässigen.

Und wer sich selber nicht mehr riechen kann – sondern nur noch sein künstliches (Düfte-) Abbild – der kann natürlich auch andere, seine Mitmenschen nicht mehr riechen. Es findet eine völlige Verzerrung der Wahrnehmung statt. Wir können Schweiß und intensiveren Geruch bei uns schon nicht akzeptieren, wie sollten wir dies bei anderen Menschen dulden??

Die übermäßige Betonung verschiedenster Lungenfunktionen wie etwa Kontrolle, Perfektionismus oder die Riechfähigkeit deuten auf eine immer stärker werdende Belastung der Lunge (Fei) hin mit all den Konsequenzen und Erkrankungen, die eine solche Überbetonung eines Elements, eines Organsystems eben mit sich bringt.

Statt der Verpackung so viel Aufmerksamkeit, Zeit und Geld zu geben, sollten wir lieber öfters schauen, ob nicht in uns etwas schwer am schwelen ist und zum Himmel stinkt…;-)!

Und bei Wang Fengyi, einem konfuzianischem Heiler, heißt es sinngemäß so schön, wenn das “Metall” (Lunge, Dickdarm) aus dem Gleichgewicht gerät, entstehen Chaos und Untergang.

Foto: Peter Böni, Pixelio