Massage – Wohltat und Therapie zugleich

Ich möchte heute ein wenig über verschiedene chinesische Massagemethoden schreiben. Es gibt unterschiedliche Formen der Massage wie etwa das Tuina (Schieben und Greifen) oder die Akupressur (Massage bestimmter Energiepunkte), das Guasha (Reiben und Schaben von Hautarealen) oder auch berührungslose Varianten, die Qi-Übertragungen nutzen. Alle Methoden der Massage innerhalb der Chinesischen Medizin benötigen als Grundlage ein gewisses Verständnis vom Qigong, welches den Ursprung der Chinesischen Medizin darstellt. Das Qigong (ein Begriff aus den 1950er Jahren, der Methoden beschreibt, die als Dao-Methoden seit Jahrtausenden in China bekannt waren) zeichnet sich durch eine Verbindung von Körperhaltungen und Körperbewegungen, Atem- oder Qi-Techniken in Verbindung mit meditativem Geistestraining oder Formen von Aufmerksamkeitsschulung aus. Diese Verbindung wird auch bei allen Massageformen in unterschiedlichster Art und Weise genutzt.

Viele Massagen können, mit ein wenig Übung und gutem Willen, auch problemlos als Selbsthilfe angewendet werden. Dafür ist weder eine Massageausbildung noch ein Qigongstudium notwendig. Therapeuten allerdings sollten möglichst nicht nur Massagekenntnisse erworben haben, sondern auch selber Qigong praktizieren. Dies schon aus Eigennutz, um sich gut zu schützen vor eigener Energieleere, Burn-Out oder eine Anfälligkeit für schädliche Fremdenergien. Zudem verbessert die Qigongpraxis die Effektivität der Massagen beträchtlich.

Für die Selbsthilfe reichen zusätzliche Anweisungen wie etwa das Verweilen an bestimmten Körperarealen oder das Massieren mit speziellen Vorstellungsbildern wie etwa dem Schmelzen von Blockaden und Ähnlichem. Alle Massageformen sind reiztherapeutische Verfahren und sollten deshalb bei wirklichen Gesundheitsstörungen regelmäßig angewendet werden. Auch eine Vorbeugung vor Beschwerden sollte in den eigenen Tagesablauf integriert und täglich praktiziert werden. Die Massagemethoden zur Selbsthilfe sind oft sehr einfach und „sehen nach nichts aus“. Diese äußere Einfachheit sollte nicht darüber hinwegtäuschen, das gerade einfache Techniken sehr, sehr effektiv sind.

Wichtig für den Erfolg sprich die gewünschte Wirkung ist eine regelmäßige, tägliche Praxis. Die tägliche Wiederholung des Reizes erzeugt auf Dauer eine innere Resonanz und daraus resultierend dann die Wirkungen. Bauen Sie also ein kleines Massageprogramm in ihren Alltag ein. Neben den gewünschten Wirkungen, die natürlich je nach Massage ganz unterschiedlich sein können, bekommen Sie zudem noch einen ganz anderen Zugang zu ihrem Körper. Sie sehen und entdecken Ihren Körper ganz neu und entwickeln ein viel tiefgreifenderes Verständnis von seinen Funktionen und Abläufen. Sie sensibilisieren sich für das Wunderwerk „Körper/Mensch“. In allen Massagen spielt das HERZ/Xin eine wichtige Rolle. Mit dem Herzen bei der Sache sein verdeutlicht wohl am ehesten, was ich meine. Liebevoll und aufmerksam spüren. Sich mit dem eigenen Herzen einlassen auf sich selber, oder in der Therapie auch auf den Patienten, sind wichtige Voraussetzungen für eine von Erfolg gekrönte Massage.

Die Hände werden natürlich oft eingesetzt in der Massage. Sie sind ein unglaublich sensibles Werkzeug und sollten entsprechend be-hand-elt werden. Gerade für Therapeuten, die mit ihren Händen arbeiten, ist es von fundamentaler Bedeutung, dass die Pflege des eigenen Qi und die Pflege der körpereigenen Werkzeuge regelmäßig erfolgt. Kleine Qigongübungen gepaart mit sanften Methoden der Stärkung der Hände bei gleichzeitiger Steigerung der Empfindsamkeit, gehören in das tägliche Routineprogramm eines Masseurs. Doch neben eher mechanischen Aspekten der Pflege, sollte auch die Pflege des Herzens nicht zu kurz kommen. Emotionale Belastungen sollten gering gehalten werden und aus dem Tagesgeschäft der Therapie möglichst komplett herausgehalten werden. Zu viel Wollen ist genauso kontraproduktiv wie eine gleichgültige Geisteshaltung. Eine große innere Ruhe wirkt Wunder und überträgt sich natürlich auch auf den zu Behandelnden. Der Wunsch sich selbst oder dem Patienten helfen zu wollen ist ebenfalls von Bedeutung. Der Körper besteht nicht nur aus Muskeln, Knochen und Fleisch, sondern eben auch aus einem geistigen Aspekt, einer Seele, die ebenfalls gesehen und gepflegt werden will. Seien Sie in der Massage freundlich zu sich und dem Anderen. Trotz Freundlichkeit gibt es Massagen, die eines kräftigen Griffes bedürfen und die sich nicht immer schön anfühlen. Manche Massagen tun weh und sollen das auch. Dies ist abhängig vom dem, was wir erreichen wollen und was gerade benötigt wird. Aber auch einfache entspannende und wohltuende Massagen haben positive Auswirkungen auf das Körpergefühl und die Gesundheit.

Generell geht es bei einer Therapie in der Klassischen Chinesichen Medizin (KCM), also auch beim Massieren, um eine Wiederherstellung der Einheit zwischen dem Herzgeist des Patienten (shen/xin) und dem großen, universellen Geist (Shen oder auch Yuan-Shen). Anders ausgedrückt, bringen wir zwei unzertrennliche Seelenanteile (ling) wieder zurück in eine bewusst wahrgenommene Einheit (dao). Heilung entsteht durch genau diese Verbindung, die dann wieder „funktioniert“ und tiefgreifend auf den Körper und die Seele wirken kann. Zudem sollten „Herz & Niere“ wieder miteinander verbunden werden. Diese beiden „spirituellen“ Aspekte sollten in keiner Therapie außer Acht gelassen werden und immer Berücksichtigung finden. Deshalb lebt jede gute Massage von einer tiefgreifenden Berührung des Herzens…und nicht nur des Körpers!

Folgende Massage ist ein einfacher und wirkungsvoller Einstieg in das Gebiet der Massagen.

Reiben Sie kräftig beide Hände aneinander, bis diese richtig heiß  geworden sind. Dann legen Sie die heißen Hände auf die Nierengegend im unteren Rücken. Spüren Sie (oder stellen Sie sich vor), wie diese Hitze in die Nieren hinein strömt. Lassen Sie die Hände etwa 1 Minute dort liegen und spüren Sie die Hand-Niere-Verbindung. Lächeln Sie in die Nieren. Massieren Sie die Nieren 2 x täglich morgens und abends. Im Winter ruhig 2-3 x hintereinander wiederholen.

Diese Massage stärkt die Nieren, kräftigt die Beine und reguliert den Unterleib, stärkt die Knochen, fördert das Kopfhaar, beruhigt das Herz und ist hilfreich gegen irrationale Ängste.

Die Massage ist aus meinem neuen Buch „Die Hausapotheke der Chinesischen Medizin“ aus der Reihe der „Medizin des Dao“ der dritte Band. In dem Buch finden Sie 108 Übungen, Massagen, Ernährungstipps und Meditationen zur Selbsthilfe. Es erscheint im August und wird auch mit Begleit-DVD zu haben sein.


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